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Friedrich L. Sell war nach Professuren in Gießen (1991-1992) und Dresden (1992-1997) von Januar 1998 bis März 2020 Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität der Bundeswehr München. Gegenwärtig ist er Dozent, Studienleiter und Mitglied im Vorstand der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München e. V. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geld- und Währungspolitik, Theorie und Politik der Einkommensverteilung sowie Themenstellungen aus der Makro- und der Arbeitsmarktökonomik. Er schreibt seit 1995 regelmäßig in deutschen und ausländischen Printmedien.

Das Corona-Virus: Auch eine große Chance für unsere Wirtschaft und Gesellschaft?

Guten Morgen VWA!

Um nicht missverstanden zu werden: Die Corona-Pandemie ist eine schlimme Geißel der Menschheit und jedes Corona-Opfer ist ein Opfer zu viel. Trotzdem lohnt es sich, auf die Zeit nach dem Corona-Virus und der sie begleitenden Weltwirtschaftskrise nach vorne zu blicken. Und dieser Blick ist durchaus nicht pessimistisch. Der große österreichische Nationalökonom Joseph Schumpeter hat bekanntlich den Begriff der „schöpferischen Zerstörung“ geprägt. Krisen waren ihm gewiss kein Anlass für Klagen über die Wechselfälle des Kapitalismus, vielmehr empfand er sie als Geburtsstunde für schöpferische Innovationen bei Produkten, wirtschaftlichen Verfahren und Organisationsformen. Der Zerstörung fällt und fiel anheim, was sich nicht mehr als zeitgemäß und damit auch nicht mehr als krisenfest erwiesen hat. Genau so kann es uns mit dem Corona-Virus ergehen. In ein paar Jahren werden wir vielleicht auf den nur scheinbaren wochenlangen Stillstand von Wirtschaft und Gesellschaft im Jahr 2020 erstaunt zurückblicken. Wahrscheinlich sogar mit ein wenig Stolz über das Geleistete. Denn wir werden berichten können, dass damals die Weichen für neues (digitales) Wachstum, eine Stabilisierung im Prozess der Globalisierung und für gesellschaftlichen Fortschritt gelegt wurden. Wenn wir es richtig anstellen….

 

Was hat die deutsche Politik nicht alles zum Thema Digitalisierung dem mehr oder weniger geneigten Publikum gepredigt: zu wenig, zu langsam, zu teuer. Jetzt kommt ausgerechnet durch Corona etwas in Gang: Vorstände betreten Chat-Rooms und virtuelle Konferenzsäle, Schüler und Studenten versammeln sich in virtuellen Lehrräumen (mit eh geschrieben) mit ihren Dozenten. Die dazu parallele E-Mail- und WhatsApp-Kommunikation bezeugt häufig, dass es an vielen  Ecken und Enden noch hakt, aber: Es geht voran! Die digitale Universität/Schule wird am Ende der Corona-Krise keine Illusion mehr sein, sondern schlicht Realität. Merke: Wann sind wir bereit, dazu zu lernen? Wenn es eben nicht mehr anders geht …..

Die Globalisierung hat die Kosten der Raumüberwindung dramatisch reduziert. Als Urlauber haben wir diese Vorteile gerne mitgenommen. Das Corona-Virus ist vergleichsweise billig und vor allem schnell von China in den Rest der Welt gekommen. Deshalb werden wir aber die Globalisierung nicht zurückdrehen wollen. Denn diese ermöglicht auch etwas anderes, wichtiges und auf die Dauer sehr schmerzliches für den Corona-Virus: Neue, globale (häufig wiederum digitale) Allianzen bei der Erforschung von Viren und Impfstoffen.

Die Corona-Krise hat aber auch gezeigt, dass die weltweite Arbeitsteilung – gekennzeichnet von zerschnittenen Wertschöpfungsketten und Fragmentierung im internationalen Handel – möglicherweise an einigen Stellen schon zu weit fortgeschritten ist. Die große Anfälligkeit der Lieferketten für exogene Störungen hat uns auch deutlich vor Augen geführt: Es mangelt an Puffern für eine bessere Absorption von Schocks. Reserven und Vorräte anzulegen, ist nur kurzfristig ertragsmindernd, das sollten wir nun gelernt haben. Das hätte uns schon die Weltwirtschaftskrise von 2009 lehren müssen.

Die Finanzpolitik stellt nun vielen Unternehmen schnelle und hoffentlich wenig bürokratische Unterstützung zur Verfügung: Durch Beihilfen, Steuerstundungen oder gar Steuererlässe u. ä. m. Eine gute Zeit also, um danach endlich den Wald an (offenen und verdeckten) Subventionen in Deutschland zu durchforsten, den der jährliche Subventionsbericht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft dem Bundesfinanzministerium (bisher nahezu folgenlos) auflistet. Für unnötige Ausgaben wird uns in Zukunft schlicht der Spielraum fehlen. Das lernen wir jetzt. Das ist eine gute Botschaft für die moderne soziale Marktwirtschaft

Wir haben noch alle (im Zeitraffer) die Bilder im Kopf: Wie die chinesische Stadt Wuhan in wenigen Tagen Krankenhäuser mit kompletter medizinischer Ausstattung buchstäblich aus dem Boden gestampft und anschließend betrieben hat. Da möchte man das Wort „BER“ gar nicht mehr aussprechen… Der im Zuge der Flüchtlingskrise von 2015 begonnene, aber längst noch nicht vollendete Durchbruch im Bürokratieabbau muss jetzt gelingen. Der gesamte (staatliche und private) Bausektor gehört auf den Prüfstand. 

Auch der schon 2008 und 2009 stark gebeutelte Bankensektor wird nun hoffentlich die Signale deutlicher vernehmen: Wenn schon Basel II und Basel III nur zögerlich den Aufbau von mehr Eigenkapital angereizt haben, die Beschlüsse der viel versprechenden G20 Konferenz von 2009 in London nur halbherzig oder gar nicht umgesetzt wurden, die jetzige Krise wird die von vielen schon länger geforderte Marktbereinigung und -Konsolidierung des europäischen Bankenmarkts erzwingen.

Die Corona-Krise hat aber längst nicht nur medizinische und wirtschaftliche Aspekte: Es gibt viele Indizien dafür, dass unsere Gesellschaft einen tiefgreifenden Wandel erfahren und uns alternative Formen des Lebens und Zusammenlebens entdecken lassen wird. Beispiele dafür gibt es zahlreiche: Man denke etwa, wie unsere italienischen Nachbarn mit ihrer Balkone-Kultur und -Musik gewissermaßen „Nähe auf Abstand“ im Zusammenleben erfunden haben.  Wir lernen: Die Gesellschaft muss nicht durch Pandemien und Ausgehverbote zerfallen, sie kann, von außen stark bedroht, anders, also neu, zusammen wachsen.

Aber es gibt noch mehr: Die Krise bietet die Chance, zu Lernen, besser als bisher auf Kranke und Alte Rücksicht zu nehmen. Möglicherweise geht damit eine Relativierung des Sozialstaats einher, wenn wir erkennen, dass Mitmenschlichkeit  nicht durch Versorgungszusagen ersetzt werden kann. Auch wird uns deutlicher werden, dass nicht nur die eigenen, sondern auch die Kinder der anderen unsere Zukunft sind.

Die in zahlreichen Ländern beschlossenen Ausgehsperren bringen die Gesellschaft, je länger sie dauern, an die Grenze des Erträglichen. Aber selbst diese Erfahrung kann Chancen generieren. Es ist wohl 20 Jahre her, dass mir Ottmar Issing, damals Chefökonom der EZB, diese Story anvertraute: Wochen lang hatte er mit seinen wenigen, engsten Mitarbeitern versucht, aus der erfolgreichen Geldmengensteuerung der Deutschen Bundesbank und angelsächsischen Gegenentwürfen so etwas wie einen Synthese für die europäische Geldpolitik zu formen. Es kamen Arbeitspapiere, Skizzen, Tonaufzeichnungen zustande, nur keine Synthese. Schließlich griff Issing zu einem extremen Vorschlag: Alle Beteiligten sollten sich über ein langes Wochenende in einem Konferenzraum einsperren und ihn nicht mehr verlassen, bis ein Ergebnis geboren war. Man kennt so etwas von dem Enklave im Vatikan. Am Ende kam die Zweisäulenstrategie der EZB dabei heraus.

 

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