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Friedrich L. Sell war nach Professuren in Gießen (1991-1992) und Dresden (1992-1997) von Januar 1998 bis März 2020 Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität der Bundeswehr München. Gegenwärtig ist er Dozent, Studienleiter und Mitglied im Vorstand der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München e. V. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geld- und Währungspolitik, Theorie und Politik der Einkommensverteilung sowie Themenstellungen aus der Makro- und der Arbeitsmarktökonomik. Er schreibt seit 1995 regelmäßig in deutschen und ausländischen Printmedien.

Droht ein Währungskrieg zwischen den USA und China?

Guten Morgen VWA!

Am Anfang des Spielfilms „Im Zirkus“ (At the Circus) aus dem Jahr 1939 trifft Chico Marx auf den jungen Zirkusdirektor, den große finanzielle Probleme plagen. Chico sieht ihm seine Sorgen an und wartet auch gleich mit einem Lösungsvorschlag auf: „Wenn Sie ein geschäftliches Problem haben, sollten Sie sich einen Anwalt nehmen. Dann haben Sie zwar ein Problem mehr, aber auch einen Anwalt!“ Nun braucht Donald Trump schon genügend Anwälte, um sich gegen Vorwürfe des Rassismus, der sexuellen Übergriffe u. ä. m. zu wehren. Das „geschäftliche Problem“ der USA, so Trump, liegt in dem (auch nach der aktuellen Zinssenkung durch die Federal Reserve) immer noch zu hohen Leit-Zins-Niveau, den vermeintlich unfairen Handelspraktiken seiner Partnerländer (China, Europa, etc.) und in dem „zu teuren“ USD bzw. den zu „billigen“ Währungen Euro und Yuan. Was letztere Währung betrifft, so will er nun wohl auch handeln. Aber wie? Und Chinas mögliche Reaktion darauf? Was kann daraus für die Weltwirtschaft entstehen?

Im Prinzip wirken Abwertungen der eigenen Währung wie Reduktionen des Zollsatzes, den der „Handelspartner“ erhebt. Insoweit haben z. Zt. beide Seiten, also China und die USA, die sich zuvor gegenseitig mit Zollerhöhungen oder –Einführungen überzogen haben und weiter unterziehen (wie wir aus China in den letzten Tagen erfahren haben), einen starken Anreiz, die eigene Währung zu verbilligen, und damit automatisch, da der bilaterale Wechselkurs den relativen Preis zwischen zwei Währungen darstellt, die des anderen Landes zu verteuern.

Zur Vorgeschichte: China hat bereits im Juli 2005 damit begonnen, die eigene Währung, den Yuan, vorsichtig gegenüber dem USD aufzuwerten. Der Yuan war aber die längste Zeit seitdem immer noch stark unterbewertet, was die ansteigende Entwicklung der Devisenreserven der PBoC (People’s Bank of China) eindeutig bewies. Die PBoC hat nämlich über viele Jahre hinweg am Devisenmarkt systematisch USD angekauft. Das lässt sich sehr einfach auf der Aktivseite ihrer Bilanz nachzeichnen. Im Juni 2014 erreichten die Reserven der chinesischen Notenbank einen bisherigen Höchststand von rund vier Bio USD. Seitdem haben die Reserven allerdings wieder um etwa eine Bio USD abgenommen. Die aktuelle Parität von rund 7 Yuan pro USD stellt allerdings einen Höchstkurs seit dem Jahr 2007 dar. Ist China also ein, wie das US-Finanzministerium kritisch befindet, „Währungsmanipulator“?

Zuständig in der Weltwirtschaft für die Beurteilung der Wechselkurspolitik seiner Mitgliedsländer ist bekanntlich der IWF. Dieser befand erst vor ein paar Wochen, China habe seine Währung in der jüngsten Vergangenheit nicht manipuliert. Der Yuan sei also weder systematisch unter- noch überbewertet. Wenn das stimmt, dann heißt das doch: Die amerikanische Regierung wirft den Chinesen im Grunde genommen vor, am Devisenmarkt nicht genügend interveniert zu haben, um den Yuan zu stützen und damit den USD zu schwächen.

Was noch nicht ist, kann aber noch werden. Betrachten wir einmal „die Wahl der Waffen“: Die USA bzw. ihr Finanzministerium verfügen über einen Fonds im Umfang von 100 Mrd. USD, der eigens für Devisenmarktinterventionen gedacht und geschaffen worden ist. Problem: Diese Mittel für Yuan-Ankäufe sind zwar reichlich, aber die chinesische Währung ist wesentlich weniger liquide als der USD, was zum großen Teil damit zusammenhängt, das bisher nur überschaubar viele Güter, Dienstleistungen und Finanzmarktprodukte in Yuan fakturiert sind. Allerdings reichte es für die USA, eine ultraexpansive Geldpolitik zu steuern, das wäre ein fast perfektes Substitut für Devisenmarktinterventionen der Regierung. Dafür müsste aber Notenbankchef Jerome Powell/die Federal Reserve dieser Strategie zustimmen. Das erscheint aus heutiger Sicht eher zweifelhaft.

Für China ist es dagegen einfach, den Yuan zu schwächen, da die PBoC im Prinzip unbegrenzt viel USD mit selbst geschaffenem Geld am Devisenmarkt erwerben kann. Hier gibt es auch keinen Interessengegensatz zwischen Regierung und Notenbank. Hinzu kommt:  Die PBoC hätte auch die Möglichkeit, die Menge an gehandelten Drittwährungen zu erhöhen, indem sie aus ihrem Reservevorrat Fremdwährungen, wie Yen, Pfund Sterling oder Euro verkauft. Auch das verteuert indirekt den USD.

Für die Weltwirtschaft würde aus so einem Währungskrieg natürlich nichts Gutes entstehen. Woher wissen wir das? Nun, zum Beispiel aus der Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts (1. Drittel): Schon damals überzogen sich verschiedene Länder, die sich alle zu der damaligen Zeit am sogenannten Goldstandard beteiligten, mit einem Währungskrieg, der in einer fast universellen Deflation mündete. Die Folge waren Produktions- und Einkommenseinbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Börsencrashs, am Ende gar die erste Weltwirtschaftskrise. Nur zu gut zu verstehen, wie panisch die EZB in den letzten 6, 7 Jahren auf mögliche Deflationsvorboten (etwa die stark rückläufigen Inflationserwartungen) in der Eurozone reagiert hat. Für Notenbanken ist nämlich die Eindämmung von Inflation allemal einfacher als die Abwendung einer veritablen Deflation.

Wo liegt die Lösung? Gar nicht einfach zu sagen. Wichtig wäre es sicherlich, den zuletzt wegen seiner Bedeutungsabnahme (gemessen an den ausstehenden Krediten an Länder mit Zahlungsbilanzproblemen) hart kritisierten IWF wieder zu mehr Einfluss zu verhelfen, damit er sich (vgl. oben) wieder mehr Gehör verschaffen kann. Daran sollten vor allem wir Europäer interessiert sein.

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