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Friedrich L. Sell war nach Professuren in Gießen (1991-1992) und Dresden (1992-1997) von Januar 1998 bis März 2020 Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität der Bundeswehr München. Gegenwärtig ist er Dozent, Studienleiter und Mitglied im Vorstand der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München e. V. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geld- und Währungspolitik, Theorie und Politik der Einkommensverteilung sowie Themenstellungen aus der Makro- und der Arbeitsmarktökonomik. Er schreibt seit 1995 regelmäßig in deutschen und ausländischen Printmedien.

Eherne Gesetze, Trends und Moden (1)

Guten Morgen VWA!

Der sogenannte „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften“ ist ein nicht von Alfred Nobel selbst, sondern erst 1968 von der schwedischen Reichsbank anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens gestifteter und 1969 erstmals verliehener Preis. Er gilt bis heute als der renommierteste Preis im Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Er wird jährlich - zusammen mit den „echten“ Nobelpreisen - verliehen und ist auch mit der gleichen Preissumme dotiert. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er deshalb auch als Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bezeichnet.

1974 erhielt Friedrich August v. Hayek für sein Werk „Preise und Produktion“ aus dem Jahr 1931 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank, gemeinsam mit Gunnar Myrdal. In „Preise und Produktion“ hatte v. Hayek die Konjunkturtheorie des Österreichers Ludwig von Mises’ weiter ausgebaut. Beide gelten als Hauptvertreter der österreichischen Schule. „Preise und Produktion“ selbst ist eine Fortführung von Gedanken, die v. Hayek bereits 1928 in seinem Aufsatz „The intertemporal price equilibrium and movements in the value of money“ veröffentlicht hatte.

 

Die Konjunkturtheorie v. Hayeks (aus „Preise und Produktion“, s. o.) lässt sich kurz gefasst so darstellen: Sinkt durch Kreditexpansion der Notenbank der Geldzins unter den natürlichen Zinssatz (entspricht etwa dem Zinssatz, zu dem auf dem Kapitalmarkt freiwillige Ersparnis und Investition ausgeglichen sind), so steigen die Investitionen in Produktionsmittel. Der nun verringerten Konsumgüterproduktion steht aber eine gleichbleibend hohe Nachfrage nach Konsumgütern entgegen. Es kommt zu Preissteigerungen bei den Konsumgütern. Der unfreiwillige Konsumgüterverzicht der Haushalte führt zu „erzwungenem Sparen“ (ein Begriff, den sehr viel später Nicholas Kaldor weiter ausführte). Im Kapitalmarktgleichgewicht muss dieses Sparen gerade den von den Investoren beanspruchten Ressourcen entsprechen. Mit den oben beschriebenen Preissteigerungen erreicht die Wirtschaft ein Hoch: Die Konsumgüterpreise steigen bei nunmehr auch steigendem Geldzins. Als Ausweg sieht von Hayek entweder eine weitere, durch die Notenbank alimentierte Kreditexpansion, um die Abnahme der Kapitalgüternachfrage bei den Unternehmen zu vermeiden. Oder aber, die Notenbank lässt eine schmerzhafte, im Grunde genommen aber unvermeidbare Rezession zu. In der Rezession gleicht sich das intersektorale Ungleichgewicht der tatsächlichen Nachfragestruktur wieder an, d. h. die Kapitalgüterproduktion geht zugunsten der Konsumgüterproduktion wieder zurück.

Die Erklärungsansätze der österreichischen Schule, insbesondere in der Spielart von v. Mises und v. Hayek, können wohl zu Recht als sogenannte „monetäre Überinvestitionstheorien“ betrachtet werden. Beide Autoren gehen von jeweils zwei zentralen Preisen respektive Ertragsraten – dem „natürlicher Zins“ vs. dem „Geldmarktzins“ – aus, um das volkswirtschaftliche Investitionsvolumen analytisch zu bestimmen. Wenn die Höhe des Geldmarktzinssatzes sich von jener des natürlichen Zinssatzes (nach oben oder unten) deutlich unterscheidet, so führt diese Diskrepanz bei v. Hayek/v. Mises kurz- bis mittelfristig zu Ungleichgewichtssituationen (vgl. oben), wie wir sie auch in der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise von 2008/2009 erlebt haben. 

Bei v. Hayek sind es von der Geldpolitik zu verantwortende und verzerrend wirkende Schwankungen des Geldmarktzinssatzes um einen relativ stabilen natürlichen Zinssatz herum, welche Veränderungen im Investitionsvolumen und in der Konsumgüterproduktion bewirken, die von den Präferenzen der privaten Haushalte deutlich abweichen können (vgl. oben). Langfristig gesehen besteht dagegen in den Konjunkturmodellen der österreichischen Schule stets eine automatische Tendenz hin zum Marktgleichgewicht, d.h. hin bzw. zurück zum natürlichen Zinssatz.

Ketzerisch kann man nun die Frage stellen, ob mit dem Nobelpreis lediglich „historische Leistungen“ oder ehemalige Trends, vielleicht sogar nur „Moden“ abgegolten werden, die aber schnell veralten und nur wenig taugen, um aktuelle Probleme/Prozesse zu beschreiben bzw. zu diagnostizieren. Machen wir doch einen Lackmus-Test: Was kann denn das oben knapp vorgestellte v. Hayek-Modell von den stilisierten Fakten der im September 2008 (der Fall von „Lehman Brothers“) akut ausgebrochenen Finanz- und Weltwirtschaftskrise abbilden? 

 

  • Die Politik des billigen Geldes der Federal Reserve nach dem 11. September 2001 war ganz sicher der Auslöser für eine Kreditexpansion, welche ihrerseits die Preisblase im Immobiliensektor ermöglichte.
  • Es folgte eine künstlich aufgeblähte Finanzierung (Bsp.: Subprime-Hypotheken) vieler wenig rentabler Projekte durch den inländischen Geschäftsbankensektor und durch die ausländischen Käufer US-amerikanischer strukturierter Finanzmarktprodukte („asset backed securities“, s. u.).
  • Dieses hohe, prominent von Banken finanzierte Investitionsvolumen war nicht durch eine vermehrte inländische Spartätigkeit der Haushalte in den USA gesamtwirtschaftlich „gedeckt“.
  • Die Preisblase im US-amerikanischen Immobiliensektor pumpte sich vor allem zwischen 2002 und 2006 auf. Die Preisblase selbst veranlasste wiederum eine weitere Kreditexpansion.
  • In der Folge kam es zu einer Konzentration von Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital, Primärfaktoren) im Immobiliensektor und den diesem Sektor zuliefernden Branchen. Diese Faktoren wurden dem Konsumgütersektor entzogen.
  • Eine zunehmende Fristeninkongruenz im Bankensektor (kurzfristige Verschuldung bei langfristigen Ausleihungen) erhöhte in diesem Sektor zunehmend das Risiko der Illiquidität.
  • Die dann einsetzenden höheren Geldmarktzinsen der Federal Reserve und die zunehmende Verteuerung primärer Inputs ließen die Preisblase im Immobiliensektor schließlich platzen.
  • Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit liquidierten nun zunehmend Hausbesitzer, Banken und Unternehmen ihre Assets, deren Preise in der Folge (weiter) verfielen.
  • Die Krise im Immobiliensektor übertrug sich auf die Bewertung forderungs-besicherter Wertpapiere („asset backed securities“ ), die vor allem auf dem nun einbrechenden Kapital-Rückfluss (Zinsen- und Tilgung) von Hypothekenkrediten basierte.
  • Wegen gegenseitig vermuteter Probleme auf der jeweiligen Aktivseite (auf der sich vermehrt „asset backed securities“ befanden) ihrer Bilanzen hörten die Banken zunehmend damit auf, sich untereinander Geld zu leihen. Es setzte eine breite Vertrauenskrise im Finanzsektor ein, der Geldmarkt drohte völlig auszutrocknen.

Für die österreichische Schule stehen allerdings staatliche Maßnahmen - aufgrund der gegebenen langfristigen Tendenz zum Marktgleichgewicht hin – ganz und gar nicht zur Debatte. Im Gegenteil: Für die österreichische Schule ist es so, dass gerade fiskalpolitische Interventionen eine Wirtschaftskrise nicht nur nicht stabilisieren, sondern sogar noch verstärken können. Insoweit lassen sich die gigantischen fiskalpolitischen Rettungspakete, wie sie von der Staatengemeinschaft in der Weltwirtschaftskrise von 2008/2009 beschlossen und umgesetzt wurden, aus ihrer Sicht keinesfalls rechtfertigen.

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