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Friedrich L. Sell war nach Professuren in Gießen (1991-1992) und Dresden (1992-1997) von Januar 1998 bis März 2020 Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität der Bundeswehr München. Gegenwärtig ist er Dozent, Studienleiter und Mitglied im Vorstand der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München e. V. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geld- und Währungspolitik, Theorie und Politik der Einkommensverteilung sowie Themenstellungen aus der Makro- und der Arbeitsmarktökonomik. Er schreibt seit 1995 regelmäßig in deutschen und ausländischen Printmedien.

Eherne Gesetze, Trends und Moden (2)

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Wie wir gesehen haben, schneidet demnach die klassische Überinvestitionstheorie eines Friedrich August v. Hayek gar nicht so schlecht ab, wenn sie auf ihren Erklärungsbeitrag zur weltweiten Finanz- und Weltwirtschaftskrise von 2008/2009 hin befragt wird. Nun ist es zurzeit so, dass der „Mainstream“ in der heutigen Makroökonomik den Monetarismus I, den Keynesianismus sowie den Monetarismus II für überholt und dafür die sogenannte „Verhaltensökonomik“ für einen erfolgversprechenden Erklärungsansatz (und Therapielieferanten) hält. Was liegt hier vor: Ein neuer Trend, nur eine Modeerscheinung oder gar eine Zertrümmerung früherer „eherner Gesetze“?

Können wir uns so einen Lehrmeinungsstreit leisten, in einer Situation, in der die Wachstumsprognosen Deutschlands für das Jahr 2019 von ehemals 1,8 % (Bundeswirtschaftsministerium) auf nur noch 0,8% (Bundesregierung) herabgesenkt werden? Wir können nicht nur: Wir müssen sogar! Denn nach den gerade für Deutschland so günstigen Jahren 2010 bis 2018 droht nun eine Rezession (im Laufe des Jahres 2019 werden die Prognosen also noch schlechter werden)! Die europäische Geldpolitik hat mit dem Ende des Ankaufprogramms „QE“ ihre Möglichkeiten der Konjunkturstützung fast ausgeschöpft (daran ändert auch das gerade angekündigte Langfristprogramm mit Sonderkrediten für Banken, LTROT, ziemlich wenig). Und die Fiskalpolitik? Ihr Spielraum ist in Deutschland wieder größer geworden (die Schuldenquote konnte seit der Weltwirtschaftskrise spürbar gesenkt werden), aber in den meisten Partnerstaaten der Eurozone ist er gleich-klein geblieben oder sogar gesunken.

In der Weltwirtschaftskrise des Jahres 2009 kamen noch weltweit Konjunkturprogramme zum Einsatz, die dem Credo Keynesianischer Nachfragesteuerung/Beschäftigungspolitik folgten. Aber anders als von Keynes verlangt, haben die beteiligten Staaten – bis auf wenige Ausnahmen – ihre erhöhte Verschuldungsquote danach nicht wieder auf ein Normalmaß zurückgeführt. Das erklärt zu einem großen Teil den gegenwärtig fehlenden Spielraum der Finanzpolitik für expansive Maßnahmen, wenn eine Rezession eintreten sollte.  

Der Monetarismus I (Friedman, Meltzer) hält den Einsatz expansiver Geld- wie Fiskalpolitik ohnehin für bestenfalls nutzlos, wenn nicht gar für schädlich, da beide (im Unterschied zu Strukturreformen) die Höhe der „natürlichen“ Arbeitslosigkeit nicht wirklich reduzieren, aber dafür die Inflation erneut anfachen könnten. Das klingt nicht mehr so ganz modern in einer Zeit, in der die meisten Notenbanken schon damit Mühe haben, ihre Zielinflationsraten überhaupt zu erreichen. Der Monetarismus II (Lucas, Barro, Sargent, Wallace) oder Schule der rationalen Erwartungen geht davon aus, dass sich der private Sektor bei schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen des Staates gegen eine zukünftige Senkung seines verfügbaren Einkommens mittels Steuererhöhungen durch mehr Sparen in der Gegenwart zur Wehr setzt (und damit die potentielle Größenordnung des „Einkommensmultiplikators“ expansiver Finanzpolitik empfindlich herabsetzt): Das ist der Inhalt der schon legendären Lucas-Kritik (benannt nach dem Ökonomie-Nobelpreisträger Robert E. Lucas, jr.). Und das soll keine Verhaltensökonomik sein? Trotzdem: Es gibt in dieser Theorie eine signifikante Auslassung: Wir stellen uns nur mal vor, die Industrienationen hätten in den Jahren 2008/2009 auf ihre gigantischen Konjunkturprogramme Keynesianischer Prägung verzichtet: Hätte nicht gerade das bei den Privaten einen gewaltigen Anreiz zum Angstsparen ausgelöst und damit die Krise noch deutlich vertieft und verlängert? Man muss immer Nutzen und Kosten von Aktionen und deren Unterlassung berücksichtigen!

Führende Vertreter der Verhaltensökonomik (Akerlof, Shiller) veröffentlichten 2009 das Buch: „Animal Spirits: Wie Wirtschaft wirklich funktioniert“. Nicht gerade ein Ausbund an Bescheidenheit. Der Begriff der „Animal Spirits“ geht noch auf Keynes zurück und drückt etwa den Gedanken aus, wonach sehr viel in der Wirtschaft mit Psychologie zu tun hat. So betonen die Autoren die Rolle von (fehlendem) Vertrauen, von (un)fairen Praktiken, dem verbreiteten Irrglauben (Geldillusion als Beispiel für weitere mögliche wirtschaftliche Illusionen) an die nominalen (statt realen) Kosten und Preise in einer Volkswirtschaft u. ä. m. Im Kern: Stimmungen und Gefühle sind danach für die wirtschaftlichen Ergebnisse mindestens so wichtig wie die von uns (eher selten) rational getroffenen Entscheidungen auf mehr oder weniger gut funktionierenden Märkten.

Wenn die Verhaltensökonomik (Akerlof, Shiller) so inspirierend ist für die Diagnose von Krisenursachen und -Verstärkungen – was hat sie denn an Therapievorschlägen anzubieten? Was die Finanzmärkte betrifft, so ist sie ein Anwalt für eine stärkere Regulierung. Damit will sie u. a. den „irrationalen Überschwang“ (Shiller) eingrenzen und einhegen, der ein Haupttreiber der Finanzkrise aus dem Jahr 2008 gewesen sei. Mag sein, dass damit die Chancen für den Ausbruch einer erneuten Finanzkrise deutlich herabgesetzt werden können. Aber sind damit wirklich die schlimmen Folgen, das Münden in eine Weltwirtschaftskrise zu „reparieren“? Wohl kaum: Alles in allem gilt wohl, was einer meiner akademischen Lehrer, Werner Ehrlicher, schon in den 1970er und 1980er Jahren feststellte: Liegt eine Keynesianische Situation vor, die durch einen eklatanten Nachfragemangel im privaten Sektor gekennzeichnet ist, sind expansive Geld- und Finanzpolitik nicht nur sinnvoll, sondern geradezu notwendig. Insoweit gehört der Keynesianismus auch keineswegs zum „alten Eisen“.

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