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Friedrich L. Sell war nach Professuren in Gießen (1991-1992) und Dresden (1992-1997) von Januar 1998 bis März 2020 Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität der Bundeswehr München. Gegenwärtig ist er Dozent, Studienleiter und Mitglied im Vorstand der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München e. V. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geld- und Währungspolitik, Theorie und Politik der Einkommensverteilung sowie Themenstellungen aus der Makro- und der Arbeitsmarktökonomik. Er schreibt seit 1995 regelmäßig in deutschen und ausländischen Printmedien.

Eherne Gesetze, Trends und Moden (3)

Guten Morgen VWA!

Im ersten Teil dieses Blogs haben wir v. Hayek’s Konjunkturtheorie als auch heute noch leistungsfähig für die Erklärung der Finanzmarktkrise von 2008 erkannt. Im zweiten Teil konnten wir die ungebrochene Aktualität des Keynesianismus herausarbeiten. Nun stellt sich die Frage, ob wir eigentlich mit der sogenannten „Verhaltensökonomik“ einen ernsthaften neuen Trend oder doch nur eine von den so zahlreichen Moden in den Wirtschaftswissenschaften geliefert bekommen.

Die Verhaltensökonomik, von Akerlof und Shiller unter die Headline „Animal Spirits“ (2009) subsummiert, bietet in der Tat sinnvolle Ergänzungen. So fügen die Autoren dem Keynes’schen Einkommensmultiplikator den sogenannten „Vertrauensmultiplikator“ hinzu: Dieser gibt, so Akerlof und Shiller, an, um wieviel das Einkommen steigt oder sinkt, wenn das Vertrauen (falls messbar!) um eine Einheit zu- oder abnimmt. In der Tat kann man damit die bei Keynes und anderen die eher abstrakt bleibenden „autonomen Investitionen“ mit Leben erfüllen. Es ist plausibel, dass diese Determinante des Investitionsverhaltens mit der Stärke des in einer Gesellschaft vorhandenen Vertrauenskapitals schwankt. Und mit den Schwankungen der Investitionen schwankt auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ….

Zugleich strahlt aber ein Mangel (Überfluss) an Vertrauen in die Finanzmärkte hinein: Die Kreditmärkte werden entweder gelähmt oder beflügelt und auch damit wird die Wirkung des Keynes’schen Multiplikators reduziert (vergrößert). Mangelndes Vertrauen in die eigene Währung (abzulesen an der Kursentwicklung am Devisenmarkt) versuchen Zentralbanken häufig mit Zinserhöhungen zu begegnen. Das aber dämpft die i. d. R. zinsabhängigen Konsum- und Investitionsausgaben (also insgesamt die inländische Absorption von Gütern und Dienstleistungen) und damit das eigene BIP. Allerdings vergessen Akerlof und Shiller an dieser Stelle die positive Rückkopplungsschleife zum Devisenmarkt: Eine niedrigere inländische Absorption (wenn sie gegenüber einem rückläufigen BIP dominiert) und ein geringerer Außenwert der eigenen Währung aktivieren nämlich tendenziell den Leistungsbilanzsaldo.

An anderen Stellen bekommen wir von der Verhaltensökonomik allerdings auch offene Kritik am Keynesianismus. So lassen Akerlof und Shiller das Argument von Ehrlicher (siehe 2. Teil) einer zu geringen privatwirtschaftlichen Nachfrage in der Krise/Rezession nicht unbedingt gelten: Für die Finanzmarktkrise von 2008 erkennen sie in der „Kreditklemme“ das weitaus größere Übel. Gibt es Indikatoren für eine solche Kreditklemme? Ja, die „Reinungskrise“ gibt es! In der Eurozone waren es etwa die einbrechenden Umsätze und gleichzeitig explodierenden Zinssätze am Geldmarkt (als starkes Zeichen für eine Liquiditätskrise), also dem Markt, an dem Geschäftsbanken untereinander Zentralbankgeld handeln. Für die USA fanden die genannte Autoren noch einen weiteren Indikator: Die Höhe der im Umlauf befindlichen Geldmarktpapiere. Diese werden von (vorwiegend privaten) Unternehmen als Finanzierungsinstrument für das eigene Betriebskapital (working capital: Löhne, Gehälter, Rechnungen der Lieferanten) eingesetzt. Fällt der Umlauf solcher Papiere auf historische Tiefststände, so ist das ein deutlicher Hinweis auf eine Kreditklemme. Eine Kreditklemme wirkt aber ihrerseits wie ein Hemmnis für Konsum- oder Investitionsausgaben. Daher sehen die Autoren – neben der bereits früher erwähnten Straffung der Finanzmarktaufsicht – eine Kernaufgabe der Zentralbanken darin, für eine Beseitigung von Liquiditäts- und Kreditengpässen zu sorgen. Ohne diese Eingriffe müssten die von Keynes betonten Multiplikatoreffekte notwendigerweise bescheidener ausfallen.

Es ist ein Stück weit beruhigend, rückschauend zu sehen, dass das Konzert der meisten Regierungen und Notenbanken in den Jahren 2008 und 2009 diese Ratschläge beherzigt hat. Der Erfolg der koordinierten und (im Hinblick auf die eingesetzten wirtschaftspolitischen Instrumente) harmonisierten Politik ließ sich auch gut bei uns in Deutschland beobachten. Das große Konjunkturprogramm der Bundesregierung wurde von Kanzlerin Merkel und (dem damaligen) Finanzminister Steinbrück flankiert mit der Abgabe einer pauschalen Erklärung zur Sicherheit der Bankeinlagen. Besser kann man schwindendes Vertrauen nicht kontern.

Trotzdem ist das Fazit nicht wirklich befriedigend: Keiner der hier vorgestellten Ansätze macht eine Aussage darüber, was geschehen soll, wenn der Spielraum der Finanzpolitik wegen hoher Schuldenstandsquote nahezu erschöpft ist, die Zinsen der Notenbank bei null liegen und ihre Bilanzsumme bereits Rekordwerte erreicht. Die österreichische Schule würde eine „Reinigungskrise“ zulassen, aber wieviel Arbeitslosigkeit könnte das (wenn auch nur vorübergehend) bedeuten? Die Volkswirtschaftslehre ist auch heute noch entwicklungsfähig!

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