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Friedrich L. Sell war nach Professuren in Gießen (1991-1992) und Dresden (1992-1997) von Januar 1998 bis März 2020 Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität der Bundeswehr München. Gegenwärtig ist er Dozent, Studienleiter und Mitglied im Vorstand der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München e. V. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geld- und Währungspolitik, Theorie und Politik der Einkommensverteilung sowie Themenstellungen aus der Makro- und der Arbeitsmarktökonomik. Er schreibt seit 1995 regelmäßig in deutschen und ausländischen Printmedien.

The Trouble with Oil: Was ist eigentlich mit den Benzinpreisen und der OPEC los?

Guten Morgen VWA!

Wenn wir neuerdings an der Tankstelle deutlich günstiger Benzin oder Diesel einkaufen können, ist das eigentlich ein Grund zur Freude. Warum wird diese Ansicht eigentlich nicht von allen geteilt? Wie konnte es dazu kommen? Haben wir nicht im Erdölsektor ein mächtiges Kartell, die „OPEC“ (siehe unten), die dafür sorgt, dass die Rohöl-Preise hoch bleiben oder sogar noch weiter steigen? Ist die OPEC gar auseinandergefallen? Und was hat das ganze womöglich mit der Corona-Pandemie zu tun? Diesen Fragen wollen wir im Folgenden nachgehen. Und weil die Thematik durchaus viele interessante Aspekte hat, die es verdienen, genauer betrachtet zu werden, soll das Thema auf mindestens zwei Blogs verteilt werden. Aber fangen wir erst einmal damit an:

Ölproduzenten sind eine besondere Spezies: Sie verfügen über einen Ressource, deren Förderung teuer ist, weil Kapital, Arbeit und eine besondere Extraktionstechnik dafür gebraucht werden. Sie halten Läger mit der geförderten Ressource, weil sie so, etwa bei Nachfragespitzen, das Angebot aus laufender Förderung ergänzen können mit einem Angebot aus Lager (Karl Brandt, Preistheorie, Ludwigshafen am Rhein, 1960, S. 43). Sie müssen dabei im Auge behalten, dass die Ressourcenvorräte endlich sind (vgl. meinen früheren Blog!) und es keinen Sinn macht, in, sagen wir 15 Jahren, (noch) über große Reserven im Boden zu verfügen, wenn dann der Rohölpreis so niedrig ist, dass eine Förderung ökonomisch keinen Sinn mehr macht. Das ist situativ durchaus vergleichbar mit dem Plan von Goldfinger (Bösewicht im gleichnamigen James-Bond-Film von 1964), die US-amerikanischen Goldreserven von Fort Knox radioaktiv zu kontaminieren: Das eingelagerte Gold hätte dann in Sekundenbruchteilen seinen Wert verloren.

Das Leben der Erdölproduzenten ist aber noch komplizierter, denn sie sind als Anbieter nicht alleine auf der Welt: Entweder sie gehören dem Kartell „OPEC“ („Organization of the Oil-Exporting-Countries“), einer Allianz mit der OPEC („OPEC plus, s. u.) an oder sie befinden sich in Außenseiterkonkurrenz zum Kartell. Die OPEC verfolgt seit ihrer Gründung im Jahr 1960 (Bagdad) das Ziel, den Ölpreis im Vergleich zu einem hypothetischen Konkurrenzpreis, hoch zu halten. Dazu muss sie (in normalen Zeiten) die Fördermenge, die sie auf den Markt bringt, begrenzen. Dazu muss allerdings jedes einzelne Kartellmitglied auch beitragen: Es braucht insgesamt eine Mengenabsprache und auch eine darüber, wie sich diese bestmöglich auf die einzelnen Kartellmitglieder verteilt („Quote“): Jedes Kartell-Mitglied darf gerade so viel produzieren, dass seine Grenzkosten dem fiktiven Grenzerlös des virtuellen Monopolisten entsprechen (ebenda, S. 95).

Darüber hinaus muss die OPEC kontinuierlich mit den Kartell-Außenseitern in Verhandlungen treten. Entweder es geling ihr, diese ins Kartell hinein zu holen oder zumindest, mit den Außenseitern regelmäßig mehr oder weniger verbindliche Absprachen zu treffen, was einen Zielkorridor für Erdölpreis und -menge betrifft. Auf dem Weltölmarkt haben wir mittlerweile deutlich mehr Länder außerhalb als innerhalb der OPEC, was die Sache für die OPEC nicht einfacher macht. Immerhin haben sich die 14 OPEC-Staaten mit 10 weiteren „verbündeten“ OPEC plus Staaten (dazu zählen etwa Mexiko, Russland und Kasachstan) mittlerweile zu der sogenannten „OPEC-plus-Allianz“ zusammengeschlossen. 

Eine besondere Gruppe unter den (echten) Außenseitern sind Fracking-Öl-Unternehmen aus den USA (auch Kanada und Brasilien gehören keiner OPEC Allianz an): Deren Förder-Technologie ist bekanntlich vergleichsweise kapitalintensiv und teuer. Daher haben sie gewissermaßen ein „natürliches Interesse“ an einem hohen Erdölpreis. Marktfachleute schätzen daher gerne den „Break-Even-Preis (BEP)“, unterhalb dessen sich Fracking nicht oder kaum noch lohnt. Es kommt aber, was in Europa nicht immer bekannt ist, für die Fracking-Unternehmen noch eine weitere Erschwernis (die natürlich den BEP auch beeinflusst) hinzu: Sie sind i. d. R. hoch verschuldet (durch die Anleihen, die sie am Kapitalmarkt begeben haben) und ihre Liquidität und Solvenz ist daher stark abhängig vom Zinsniveau am US-amerikanischen Kapitalmarkt. Allgemein gilt: bei steigendem (sinkenden) Zinsniveau wird sich der BEP tendenziell erhöhen (absenken).  

Insgesamt haben die Erdölproduzenten demnach ein nicht ganz triviales Optimierungsproblem zu lösen: Sie müssen eine intertemporale Gewinnfunktion maximieren, um einen optimalen (zukünftigen) Preispfad für ihre Ressource zu finden. Dies schließt die jeweilige Angebotsmenge und die erforderliche Lagerhaltung mit ein. Schon in sehr simplen Modellen für das Angebotsverhalten aus Lager (vgl. Brandt 1960, S. 43 ff.) lässt sich schön zeigen, dass ein steigender Ölpreis die Lagerhaltung c. p. reduziert (d. h. bei konstanten Lagerhausmieten etc.). Für die Optimierung der Erdölproduzenten gelten mehrere Nebenbedingungen: Am Ende des Pfads sollte idealerweise kein Erdöl mehr im Boden schlummern, die anfallenden Kapital-, Arbeits- und sonstigen Kosten (wie etwa die Unterhaltung der Läger, s. o.) sind aus den Erdölverkäufen zu erwirtschaften. Besonders heikel ist dabei die erforderliche Annahme darüber, wie sich die Nachfrage nach Erdöl entwickelt. Und hier kommt (aber nicht nur) die Corona-Krise ins Spiel: 

Spätestens seit Ende März 2020 haben wie als Autofahrer deutliche Preisrückgänge an der Zapfsäule verspürt. Seit Jahresbeginn 2020 war der Preis für die Ölsorte WTI um mehr als 60 Prozent eingebrochen. Ölexperten, wie Faith Birol von der Internationalen Energieagentur, machen insbesondere zwei Faktoren bzw. Schocks dafür verantwortlich: Eine Überversorgung, gepaart mit einem gigantischen Nachfragerückgang.  Letzterer wird durch eine Zahl plastisch: Durch die Corona-Pandemie wurden gleichzeitig rund 3 MRD. Menschen eingesperrt, die unterbundene Mobilität hat den wichtigsten Erdölverbraucher, den Transportsektor (PKWs, Busse, Flugzeuge, etc.), fast zum Erliegen gebracht.

Die Überversorgung hat mit dem in letzter Zeit immer deutlicher gewordenen Versagen der Erdölproduzenten zu tun, den Markt zu stabilisieren (vgl. oben). Statt dessen verwickelten sich prominente Förderländer wie Russland und  Saudi Arabien auch noch in eine Preiskrieg…..

Aber es lohnt sich, noch weiter und tiefer in die Materie einzusteigen. Das machen wir dann im nächsten Blog.

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