Kontakt

Wir beraten Sie gerne

Guten Morgen VWA!

Friedrich L. Sell war nach Professuren in Gießen (1991-1992) und Dresden (1992-1997) von Januar 1998 bis März 2020 Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität der Bundeswehr München. Gegenwärtig ist er Dozent, Studienleiter und Mitglied im Vorstand der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München e. V. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geld- und Währungspolitik, Theorie und Politik der Einkommensverteilung sowie Themenstellungen aus der Makro- und der Arbeitsmarktökonomik. Er schreibt seit 1995 regelmäßig in deutschen und ausländischen Printmedien.

The Trouble with Oil: Was ist eigentlich mit den Benzinpreisen und der OPEC los? (Teil II)

Guten Morgen VWA!

Eigentlich sollten niedrige Ölpreise eine gute Nachricht für die sieche Weltkonjunktur sein, aber dieses Mal ist alles anders: Der niedrige Ölpreis bedroht massiv die Ökonomien der Erdölproduzenten, deren Verkaufserlöse häufig weit mehr als 50% ihrer jeweiligen Staatshaushalte finanzieren. Der lange nicht beigelegte Streit zwischen Russland und Saudi-Arabien über die für die Marktstabilisierung nötigen Förderkürzungen gefährdet(e) – wenn es ein solches denn schon mal gegeben haben sollte - das Vertrauen zwischen den wichtigsten Beteiligten auf der Angebotsseite. Paradoxerweise ließ der Ölkonzern Saudi Aramco vor kurzem auch noch die tägliche Fördermenge auf Rekordhöhen ansteigen, obwohl die weltweite Nachfrage im April 2020 bereits um 20 bis 25% niedriger war als noch im Februar. Daneben hat die Erdölpreisentwicklung große westliche Konzerne wie Exxon, Chevron, BP oder Shell in größte Schwierigkeiten gebracht.

 

Nun war es am 13.04.20 schließlich doch zu einer Einigung innerhalb der „OPEC plus Allianz“ gekommen. Auch die bisherigen Streithähne Russland und Saudi-Arabien stimmten dem Kompromiss zu. Bemerkenswert dabei: Es waren die USA, welche auf Russland und Saudi-Arabien Druck ausgeübt haben, sich endlich zu einigen (manche Beobachter sprechen daher neuerdings schon von dem „neuen Öl-Trio“). Danach sieht das Abkommen für die Monate Mai und Juni 2020 ein Senkung der täglichen Ölförderung um 9,7 Mio. Barrel (1 Barrel = 159 Liter) vor. An den Spotmärkten für Rohöl konnte sich der Preis allerdings nur kurzfristig erholen, Experten führen dies vor allem auf den so nie dagewesenen Nachfrageeinbruch zurück (s. u.). Es ist zu befürchten, dass auch die OPEC plus Allianz rechnen kann: wird die geringere Erdöl-Förderung von stagnierenden Preisen begleitet, dann müssen die Verkaufserlöse zwangsläufig sinken, das ist ein Sprengsatz für das engere wie auch für das weiter gefasste Erdöl-Kartell.

Eine der bekanntesten „Ölexpertinnen“ ist die ehemalige österreichische Außenministerin, Karin Kneißl. Ihr zufolge ist der Nachfrageeinbruch keineswegs nur auf die Corona-Krise zurückzuführen. So hat etwa die Unsicherheit, wie es mit dem Diesel und dem Verbrennungsmotor (überhaupt) weiter geht, die Zurückhaltung beim Ölverbrauch genährt. Umgekehrt (vgl. meinen früheren Blog!) täten die Hauptkämpfer gegen den Klimawandel gut daran, sich mit den möglichen zukünftigen Konsequenzen des Erdölpreisverfalls zu beschäftigen, sobald der Corona-bedingte Mobilitätsrückgang nachlässt. Das Denken in (relativen) Preisen ist meines Wissens nämlich auch während der Corona-Krise durchaus erhalten geblieben…..

Es ist dann doch noch mal alles anders gekommen: Am Abend des 20.04.20 fiel der Spot-Preis für US-Öl zeitweise auf minus 38 USD! Auslöser dafür war ein Future (Termin-Kontrakt) für WTI-Öl, dessen Besitzer verpflichtet waren, bei Fälligkeit im Mai 2020 in großem Umfang Rohöl „physisch“ anzunehmen. Spekulanten kaufen solche Papiere in der Hoffnung auf Wertsteigerungen des Future und versuchen, die Terminkontrakte dann rechtzeitig vor Fälligkeit (an diesem Tag konvergiert typischerweise der Spotpreis mit dem Preis des Terminkontrakts) zu verkaufen, da sie an der physischen „Andienung“ gar nicht interessiert sind. Im Tausch gegen die verkauften Futures erwerben sie gerne Terminkontrakte mit längerer Laufzeit (bei positiven Rendite-Erwartungen, versteht sich). Also etwa einen Juni-Kontrakt bei Verkauf des Mai-Kontrakts. Ein Problem tritt allerdings bei einem sogenannten „Contango“ auf: Dann notieren die, sagen wir wieder Juni-Kontrakte, höher als die Mai-Kontrakte, der Tausch ist für die Spekulanten also mit Verlusten verbunden.

In der jetzigen Lage trafen sie allerdings auf so gut wie keine Kaufwünsche für den WTI-Öl-Mai-Kontrakt, so dass der Terminpreis (und damit in Nähe der Fälligkeit auch der Spotpreis) ins bodenlose abrutschte. Hinzu kamen weitere Kontrakt-Verkaufswünsche von US-amerikanischen Ölproduzenten, die ihre Kassapositionen über den Terminkontraktmarkt zu „hedgen“ (abzusichern) versuchten. Denn auf diejenigen, die auf ihrem Kontrakt sitzen blieben, warten hohe Lagerkosten (wegen Überfüllung der bekannten Lagerstätten) und/oder unrentable Konditionen auf dem internationalen Rohölmarkt. Man spricht in diesem Fall zu Recht von einem (extremen) Käufermarkt (dieser kann, wie geschehen, den Preis sogar unter null drücken).

Für (private) Anleger, welche keine Rohstoffspekulanten sind, sondern vielmehr ihr Geld in Zertifikate-Fonds (als Käufer von Zertifikaten) investieren, kommen dann ebenfalls Verluste zu: Denn der Zertifikate- bzw. Indexanbieter (i. d. R. große Investmentgesellschaften) investiert das bei den Anlegern eingesammelte Geld selbst in Kontrakte. Basiert nun ein solches Zertifikat auf einem Monats-Future, der stark an Wert einbüßt, so fährt auch das Zertifikat Verluste ein. Da das Zertifikat wiederum ein Hebelprodukt ist, partizipiert es überproportional an den zugrundeliegenden Preisveränderungen (also Gewinnen und Verlusten) an den Erdölmärkten. Somit werden Gewinne wie Verluste extrem gespreizt. Ein Totalverlust für die Anleger ist nicht selten. Auch das ist in der jüngeren Vergangenheit passiert. Damit wurde in gewisser Weise die oben als „neues Trio“ bezeichnete Ländergruppe und ganz besonders Donald Trump blamiert. Gerade er hatte sich nämlich als Garant für ein für die Produzenten akzeptables Preisniveau geriert.

Wir sehen: Der Erdölmarkt und die auf ihm fußenden Finanzmarktprodukte sind äußerst spannend. Grund genug, unseren ersten zwei Blogs noch einen dritten folgen zu lassen.

 

Kontakt München

Lindwurmstr. 85
80337 München
Telefon: 089 548221-0
info@vwa-muenchen.de
 
 

Öffnungszeiten

Wir sind telefonisch für Sie
erreichbar:

Mo.und Mi. 9:00-13:00 Uhr
Di. und Do. 9:00-12:00 Uhr und 14:00-17 Uhr

Fr. 9:00 - 12 Uhr

Persönlich sind wir für Sie da:

Dienstag- und Donnerstagnachmittag
(aktuell nur mit Voranmeldung)

Kontakt Ingolstadt

Referat für Kultur und Bildung
2. Stock Zimmer 209
Milchstr. 2
85049 Ingolstadt
Telefon: 0841 305-1802
info@vwa-muenchen.de

Öffnungszeiten

Mo.-Fr.: 08:00-12:00 Uhr und
Mo.-Mi.: 14:00-16:00 Uhr
Do.: 14:00-17:00 Uhr

Kontakt Rosenheim

In der VHS
Stollstr. 1
83022 Rosenheim
Telefon: 089 548221-0
info@vwa-muenchen.de
 

Öffnungszeiten

aktuell nicht besetzt:

Bitte informieren Sie sich
über den Kontakt München!