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Friedrich L. Sell war nach Professuren in Gießen (1991-1992) und Dresden (1992-1997) von Januar 1998 bis März 2020 Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität der Bundeswehr München. Gegenwärtig ist er Dozent, Studienleiter und Mitglied im Vorstand der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München e. V. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geld- und Währungspolitik, Theorie und Politik der Einkommensverteilung sowie Themenstellungen aus der Makro- und der Arbeitsmarktökonomik. Er schreibt seit 1995 regelmäßig in deutschen und ausländischen Printmedien.

Trump Phase 1: Verrat am Freihandel und Unkenntnis der makroökonomischen Zusammenhänge

Guten Morgen VWA!

Es ist erst wenige Tage her, da rühmte sich Donald Trump mit dem Handelsabkommen zwischen den USA und China („Phase 1“) - nach seinem Verständnis - eine Lanze für den Freihandel und zugleich für eine Reduktion des US-amerikanischen Handelsbilanzdefizits gebrochen zu haben. Irrtum. In beiden Fällen. Weder hat er verstanden, wie die durch das Abkommen ausgelösten Wettbewerbsverzerrungen in den USA, in China und im Rest der Welt negativ wirken, noch welches die (in jedem Fall) makroökonomischen Bestimmungsgründe dafür sind, dass die USA ihr Defizit im Außenhandel überhaupt abbauen könnten.

Zu den Fakten: Das Defizit der USA im Warenhandel ist im Jahr 2019 auf 786 Mrd. USD gegenüber 875 Mrd. USD im Jahr 2018 gesunken. Das hört sich wie ein großer Erfolg an, dabei ist es immer noch größer als das entsprechende Defizit aus dem letzten Jahr der Obama-Administration (2016): Da waren es 735 Mrd. USD. Im Handel mit China ist das Defizit in 2019 auf 321 Mrd. USD gegenüber 347 Mrd. USD im Jahr 2016 leicht gesunken. Und das, muss man sagen, trotz der massiven Zollsatzerhöhungen gegenüber chinesischen Waren zwischen Januar 2018 und Oktober 2019. Man darf annehmen, dass es Berater der Trump-Administration gibt, die verstehen, was VWL-Studenten schon zu Beginn des Bachelorstudiums lernen: Die eigentlichen (weil makroökonomischen) Bestimmungsgründe für das US-amerikanische Defizit in der Handelsbilanz. Demnach kann das US-amerikanische Defizit im Außenhandel nur dann signifikant abnehmen, wenn die US-amerikanischen Haushalte deutlich mehr sparen (zurzeit liegt die Sparquote bei noch mageren 6,7 % und das schon seit 2016. Immerhin: Im Jahr 2005 waren es gar nur 2,6% gewesen!) oder wenn die US-amerikanischen Unternehmen weniger investieren (die Wachstumsrate der privaten Investitionen ist in der Tat rückläufig: z. Zt. liegt diese bei bescheidenen 2,2%, 2018 waren es noch mehr als 5%) oder die Nettokreditaufnahme des US-amerikanischen Gesamtstaats zurück geht (seitdem die Trump-Administration übernommen hat, steigt allerdings die Staatsschuldenquote weiter an: Die Defizitquote hat seit 2016 von 2,3% auf geschätzte 3,6% in 2020 zugenommen). Am „besten“ wäre es natürlich, wenn jede einzelne dieser Komponenten sich in die erwünschte Richtung änderte. 

So weit so gut. Ein Handelsbilanzdefizit zu reduzieren (bzw. einen Überschuss im Außenhandel anzustreben) sind allerdings keineswegs unumstrittene Ziele. Denn, wie wiederum Studenten der VWL wissen, damit gehen Nettokapitalimporte der USA einher und diese sind ja eigentlich ein Signal dafür, dass das Ausland den USA mehr Kapital (und Kredite) anvertraut als umgekehrt. Damit wird gewissermaßen der Wirtschaftsstandort USA für gute Zukunftsaussichten „belohnt“. Will die Trump-Administration das ändern?

Schauen wir uns den Kern des „Phase 1“ Abkommens mit China an: Im Wesentlichen hat Donald Trump den Chinesen die Zusage abgerungen, im Jahr 2021 für mindestens 95 Mrd. USD (zusätzlich gegenüber dem Referenzjahr 2017) US-amerikanische Waren zu kaufen. Außenhandelspolitisch gesprochen liegt hier so etwas wie eine „Mindestimportquote“ (aus der Sicht Chinas) bzw. eine „Mindestexportquote“ (aus der Sicht der USA) vor. In jedem Fall handelt es sich, wie bei Zöllen, Importquoten und sonstigen nicht-tarifären Handelshemmnissen, um einen gravierenden Markteingriff, der den freien, politisch ungelenkten Handel deutlich manipuliert. Gewinnen sollen dabei US-amerikanische Exporteure, denen offensichtlich die preisliche und qualitative Wettbewerbsfähigkeit fehlt, um ohne diese Maßnahme in China zu reüssieren. Dabei verlieren allerdings die USA selbst, weil die Mindestexporte eigentlich nicht konkurrenzfähige Anbieter künstlich im Markt halten. Damit werden Ressourcen verschwendet und es wird die Allokation von Produktionsfaktoren verzerrt. Weitere Verlierer sind chinesische Konsumenten und Produzenten, aber auch Anbieter aus Drittländern gegenüber China, wie die EU. Chinesische Konsumenten verlieren, weil für sie die freie Auswahl beim Güterangebot eingeschränkt wird. Chinesische Produzenten verlieren, weil das Preisniveau für zahlreiche Gütergruppen durch die überhöhten Importe aus den USA im Inland abgesenkt wird, so dass inländische Anbieter durch diese Wettbewerbsverzerrung aus dem Markt gedrängt werden. Drittlandanbieter (wie die EU) verlieren, weil die chinesischen Mindestimporte aus den USA einen Teil ihres Exportangebots auf dem chinesischen Markt verdrängen. Schätzungen besagen, dass die EU ca. 11 Mrd. USD an Exporten nach China einbüßen wird.

Verbindet man die beiden hier diskutierten Argumentationsstränge, so gilt folgendes: Eine höhere Zollbelastung der US-amerikanischen Importe (etwa aus China, s. o.) können nur dann und insoweit zu einer Reduktion des US-Außenhandelsdefizits beitragen, wenn dadurch in den USA der private Konsum (die private Ersparnis) und/oder die privaten Investitionen dauerhaft zurück gedrängt (angeregt) werden. Dabei gehen wir davon aus, dass die staatliche Nettokreditaufnahme in den USA unempfindlich ist gegenüber der Zollbelastung ausländischer Waren und Dienstleitungen.

Die offiziellen Verlautbarungen der Trump-Administration lassen nicht erkennen, dass diese Zusammenhänge auf der Ebene der Entscheider in den USA wirklich verstanden werden. Vor diesem Hintergrund kann einem nur angst und bange werden, was denn in der zukünftigen „Phase 2“ noch alles in einem weiteren „Deal“ mit China verabredet werden wird.

 

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