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Friedrich L. Sell war nach Professuren in Gießen (1991-1992) und Dresden (1992-1997) von Januar 1998 bis März 2020 Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität der Bundeswehr München. Gegenwärtig ist er Dozent, Studienleiter und Mitglied im Vorstand der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München e. V. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geld- und Währungspolitik, Theorie und Politik der Einkommensverteilung sowie Themenstellungen aus der Makro- und der Arbeitsmarktökonomik. Er schreibt seit 1995 regelmäßig in deutschen und ausländischen Printmedien.

Warum es in der Debatte um Mesut Özil nicht um Rassismus gehen kann

Guten Morgen VWA!

Nur mal als Gedankenexperiment: statt des Deutschtürken Mesut Özil spielt ein Deutschfranzose namens Benjamin Pravard seit 92 Spielen in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und sonst bei Arsenal London. Bei den Länderspielen der Deutschen Mannschaft beteiligt er sich nicht beim Absingen der deutschen Nationalhymne. Als Marine Le Pen  (anders als von Michel Houellebecq erdacht, kommt es im Nachbarland zu einer anderen Art der Unterwerfung, nämlich einer zugunsten der Rechten) französische Staatpräsidentin wird, will sie sich im Erfolg der im Ausland spielenden französischen Fußballer sonnen und verabredet in London einen Fototermin mit Benjamin Pravard und Antoine Griezmann. Dieser ist in Wahrheit auch ein Deutschfranzose und spielt bei Manchester City sowie in der deutschen Fußballnationalmannschaft. Das Foto geht rund um die Welt und fortan werden Pravard und Griezmann bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft von den deutschen Zuschauern gnadenlos ausgepfiffen. Daran ändert auch ein Treffen mit Bundespräsident Steinmeier kurz vor Beginn des Fußballturniers in Russland nichts. Während Griezmann sich gegenüber den Medien halbwegs erklärt, zieht sich Pravard in den Schmollwinkel zurück und twittert zuletzt eine umständlich-abwegige Rücktrittserklärung aus der deutschen Nationalmannschaft. ….Ein klarer Fall von Rassismus!

Was für ein Unsinn: Die beiden Spieler werden von den deutschen Zuschauern und in den deutschen Medien natürlich dafür abgestraft, dass sie sich mit einer undemokratischen, autoritären und vordiktatorischen französischen Populistin ablichten lassen und GANZ SICHER nicht dafür, dass sie Franzosen sind. Was man aus dieser erfundenen Geschichte lernen kann, ist klar: Mesut Özil, vor allem aber Recep Tayyip Erdogan, haben den Deutschen einen ganz schönen Bären aufgebunden. Dabei ist der Politikamateur Özil dem Politikprofi Erdogan ganz gehörig auf den Leim gegangen: Als gewiefter Demagoge hat Erdogan  gegenüber Özil, wie gegenüber so vielen jungen Deutschtürken in den vergangenen Wahlkämpfen, den Eindruck erweckt, er könne ihnen – ganz im Gegensatz zu deutschen Politikern – eine bessere Heimat als Deutschland offerieren. Selbstverständlich gibt es in unserem Land Rassismus, auch gegen Muslime. Aber Mesut Özil eignet sich nun wirklich nicht als Projektionsfläche für Rassismus.

Das Spiel von Mesut Özil während der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland war nicht schlechter als das von Thomas Müller oder das von Sami Khedira, aber eben auch nicht besser. Wegen Özil allein ist Deutschland bestimmt nicht nach der Vorrunde in der Fußballweltmeisterschaft rausgeflogen. Das haben die Herren Reinhard Grindel und Oliver Bierhoff vom Deutschen Fußballbund (DFB) mittlerweile wohl begriffen.

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